Raucher stürzt vom Balkon

Raucher stürzt vom Balkon

Süddeutsche Zeitung, 24. März, S. 38

Ich weiß, eigentlich ist das gar nicht lustig, schon gar nicht für den armen Raucher aus Augsburg, und ich drücke hiermit meine Anteilnahme an diesem Unfall aus. Aber trotzdem, ich konnte mir das Lachen einfach nicht verkneifen, als ich diese kleine Nachricht heute morgen entdeckte – es sprudelte nur so aus mir heraus wie Wasser aus einer Gebirgsbachquelle. Welche Ironie, dass man als braver Raucher extra auf den Balkon geht und nicht in der Wohnung raucht, nur um festzustellen, dass der Balkon nicht mehr da ist, und man wie der Coyote auf der Jagd nach dem Roadrunner in den Abgrund stürzt. Unwillkürlich schießen einem die Bilder unzähliger Trickfilme in den Kopf, wie die possierlichen Comicfiguren solange in der Luft stehen, bis sie nach unten sehen, um dann mit einem leisen, pfeifenden Ihhhhhhhhuuuuu – Poff! auf dem Boden aufzuschlagen.

Diese Nachricht hat dabei in ihrer Kürze fast schon philosophische Qualitäten, indem sie uns an die vielen Dinge erinnert, die wir für selbstverständlich halten. Wir halten es für selbstverständlich, dass wir morgen noch auf dieser Welt sind, dass diese Welt morgen noch existiert, dass sich die Erde dreht, der Himmel blau und das Gras grün ist, und dass da ein Balkon ist, wenn wir einen Schritt durch unsere Wohnzimmertür machen. Und sie erinnert uns daran, was passiert, wenn diese Dinge einmal nicht mehr da sein sollten.


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