Alles im Netz – nur keine Fische

Süddeutsche Zeitung, 25. März 2009, Seite 10

Süddeutsche Zeitung, 25. März 2009, Seite 10

Schon seltsam, was sich da alles in den Maschen verfängt. Eine kleine Vorschau darauf, was den Fischern alles ins Netz gehen wird, wenn das Meer leergefischt ist? So oder so, ich frage mich: Ist ein Elch mit zwei Jahren noch ein Kalb? Und dann schon 200 Kilo schwer – kann man das noch guten Gewissens Kalb nennen? Und vor allem, wieso paddelt das Kalb in der Ostsee rum? Vielleicht eine neu entdeckte Art, die bereits ausgestorben geglaubten Schwimmelche, von denen nur noch die Schaufeln aus dem Wasser ragen? Schließlich ist der Elch ja nicht etwa beim Schwimmen ertrunken, sondern erst verschieden, nachdem sein Geweih im Netz hängenblieb. Hätte er mal lieber nach Art seiner schwimmenden, unbekannten Vorfahren wie ein randalierender Narwal den Fischkutter attackiert – so werden wir wohl nie herausfinden, wo der Elch eigentlich hinwollte.

Kapitän Nemo hätte jedenfalls ganz schon doof geguckt, wenn sich an seiner Nautilus ein schnöder Fischkutter verfangen hätte. Und mobilis in mobile, der hätte sicher länger als eine halbe Stunde gebraucht um den unerwünschten Anhang zu bemerken, und den Kutter bestimmt einen ganzen Tag lang hinter sich her- beziehungsweise nach unten in sein Element gezogen. Aber mit solchen Banalitäten hielt sich Jule Vernes natürlich nicht auf. Das würde es heute höchstens in die Outtakes der Verfilmung schaffen. Die Fischer haben wohl auf jeden Fall nochmal Glück gehabt, dass das russische Militär sein U-Boot gerade überseeisch einsetzte und nicht abgetaucht ist. Wie sich ein U-Boot wohl auf dem Trockenen fühlt? Sicher nicht wie ein Fisch im Wasser.

Vielleicht wie ein Handy in einem Fischmagen? Gesagt wird ja nicht, wie das Mobiltelefon überhaupt zum Kabeljau kam. Interessant wäre auch gewesen, wenn der Handybesitzer sich selbst angerufen hätte, in dem Moment, als der Fischer den Kabeljau aus dem Wasser zog. Welchen Klingelton der klingelnde Fisch da wohl gehabt hätte? Und woher wusste der Fischer, dass er bei der Freundin des Besitzers anrief? Was ist das für ein Freund, der seine Freundin unter “Freundin” einspeichert? Vielleicht ein sehr pragmatischer, so muss er schließlich nicht dauernd den Eintrag ändern, wenn er eine Neue hat. Und er erwischt immer die richtige, und Namen muss er sich auch nicht merken. Aber dass das Handy überhaupt noch funktioniert hat – mir ist ja mal mein Handy in einer Diskothek von meiner Gesäßtasche aus ins Klo geplumpst. Und ja, ich habe es dort wieder herausgefischt, und nein, es hat nicht mehr funktioniert. Selbst nach liebevollen Trocknungsversuchen. Wahrscheinlich ist es in einem Fischmagen gar nicht nass, und der Kabeljau hat das Handy in dem Moment verspeist, als er gerade aus dem Wasser hüpfte und mit offenem Maul statt frischer Seeluft das Handy verschluckte, das just in dem Moment dem Besitzer von seiner Yacht aus seiner Brusttasche fiel, als er selbst gerade seinen Magen entleeren wollte?


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