Heinrich und die Grete

Bei dieser Theaterkritik mit dem Titel “Heinrich und Grete beim Grillabend. Glücksversprechen ohne Utopie: Ewald Palmhofers ‘Faust’-Remix am Schauspielhaus Wien” wäre ich beinahe vor Lachen vom Stuhl gepurzelt, obwohl es nicht einmal die Kritik selbst war, die mich so belustigt hat – allein der Titel des Stücks war daran schuld:

Süddeutsche Zeitung, 16. April 2009, S. 13

Nie hatte ein Titel so viel assoziatives Potential, nie hat einer so viele komische Bilder vor meinem geistigen Auge gleichzeitig erscheinen lassen. In der Beschreibung des Stücks auf der Seite des Wiener Schauspielhauses wird der kuriose Name des Stücks noch weiter ausgeführt:

Die Gewinnerklasse frisst alles. Ihr Magen ist gut und ihre Verdauung noch besser. Für den Fall, dass einem so ein Nebenmensch gar nicht bekömmlich ist, scheidet man ihn durch die Gemeinschafts-körperöffnungen einfach wieder aus, unten oder oben. Nur manchmal kommt es vor, dass einem eine Grete im Hals stecken bleibt, und dazu muss man nicht notwendigerweise “Faust” heißen. Das kommt in den besten Kreisen vor.

faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete befragt Motive aus Goethes Klassiker vor dem Hintergrund der gänzlich kapitalisierten Welt, in der das Glück, der schöne Augenblick, nur auf Kosten der globalen Mehrheit verweilt.

Margaretes Ausruf am Ende von Goethes Original erscheint da in einem ganz neuen Licht: Gericht Gottes! Dir hab ich mich übergeben!


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